Von: Pedro Luis Landestoy Méndez
Fotos: Helman Bejerano
Einem Konzert von Marcos Madrigal beizuwohnen, bedeutet, Zeuge des Wunders zu werden, dass zehn Finger und achtundachtzig Tasten das Universum enthalten können. Das kubanische Wunderkind bot im Oratorium San Felipe Neri im historischen Zentrum von Alt-Havanna einen Abend, der über das Musikalische hinausging und an das Mystische grenzte. Begleitet vom Orchester des Lyceum Mozartiano de La Habana, das mit visionärer Präzision von José A. Méndez dirigiert wird und seine Vormachtstellung in der kubanischen Sinfonieszene weiter ausbaut, entfaltete Madrigal ein Programm, in dem die interpretatorische Meisterschaft nur das Mittel zur spirituellen Gemeinschaft mit dem Publikum war.
Es begann mit dem "Klavierkonzert Nr. 2 in g-Moll" von Saint-Saëns, einem etwas prätentiösen und versnobten Komponisten, der jedoch an diesem Abend in Madrigal seinen Erlöser fand. Wo der Franzose zwischen eingebildetem Barock und unbeschwertem Efektivismus schwankt, hat der Kubaner einen einheitlichen Diskurs gewoben. Der erste Satz mit seiner feierlichen Einleitung war wie verwandelt: Die oft mechanischen Eröffnungs-Arpeggien erklangen wie ein inniges Gebet, während der Dialog mit dem Orchester eine unvergleichliche dramatische Spannung erhielt. Im "Allegro scherzando" entfesselte Madrigal blitzschnelle Tonleitern, aber immer mit einem Augenzwinkern von authentischer Eleganz. Das abschließende "Presto", diese ungezügelte Tarantella, war ein kontrollierter Orkan: Die Registersprünge, das halsbrecherische Tempo, alles floss mit einer Natürlichkeit, die Virtuosität in Poesie verwandelte. Das Orchester war weit mehr als ein treuer Begleiter; es milderte die stilistische Inkohärenz mit einem samtigen Klang in den Streichern und verspielten Hörnern, der die Leichtigkeit des "Scherzo" fast rechtfertigte.

Wenn es bei "Saint-Saëns" eine Erlösung gab, so war es bei Rimski-Korsakows "Capricho Español" eine Offenbarung. Das Lyceum Mozartian Orchestra entfesselte eine Palette von Emotionen, die den russischen Ursprung des Werks vergessen ließ, um seine latente iberische Seele zu umarmen. Die Streicher, angeführt von einer großartigen ersten Violine, die jedes Glissando mit andalusischem Feuer bestickte, umwebten die "Alborada" mit sonniger Energie, während die Holzbläser - vor allem die Klarinette und die Flöte - das Geheimnis der "Scena e canto gitano" mit verführerischem Flüstern umspielten. Die spanische Perkussion mit Kastagnetten und Tamburin war nicht nur auf die Folklore beschränkt: Sie gab den Takt einer Volksfiesta vor, bei der selbst die epischsten Passagen (der Höhepunkt des "Fandango asturiano") einen Hauch von Habanero-Frische behielten. Méndez, mit dem Taktstock in der Hand, war ein Alchemist: Er verwandelte jeden Tempowechsel in einen kollektiven Seufzer.
Die "Rhapsodie über ein Thema von Paganini" war der Höhepunkt. Hier war Madrigal nicht länger ein Interpret, sondern ein Orakel. In den dunklen Variationen (1-3, 7-9) war sein Klavier wie ein Blitz im Sturm, mit Stakkatos, die wie Feuerpfeile die Luft durchschnitten. Doch bei Variation 18, jener Umkehrung des Themas, die Rachmaninow in ein Seelenklagelied verwandelt, stand die Zeit still. Die Streicher des Orchesters hüllten das Thema wie einen Mantel ein, während Madrigal ein Cantabile entfaltete, das so herzzerreißend war, dass selbst die Stille zwischen den Noten zu schreien schien. Die finale Raserei (Variation 24) war eine Befreiung: nicht nur eine tadellose technische Darbietung, sondern eine Befreiung vom Alltäglichen. Klavier und Orchester verschmolzen zu einem Wirbelsturm, der dem Publikum den Atem raubte.

Als es so aussah, als gäbe es nichts mehr zu hören, und als Reaktion auf die euphorischen Ovationen des Stehplatzes, gab Madrigal eine Zugabe, die einen Hauch von Schönheit darstellte: Silotis romantische Bearbeitung von Bachs "Präludium in e-Moll". Wo Stunden zuvor noch titanische Akkorde erklangen, war jetzt nur noch ein kahles Klavier zu hören, ein Dialog zwischen dem tiefen Bass und einer hohen Melodie, unterbrochen von kaum wahrnehmbaren Rubatos. Madrigal, über die Tastatur gebeugt, verwandelte jede Note in ein intimes Geständnis. Das Publikum, das Minuten zuvor noch in Ekstase war, hielt den Atem an: Selbst das Kratzen einer zu Boden fallenden Seite klang ketzerisch. Als der letzte Akkord verklungen war, ging dem Schlussapplaus eine heilige Stille voraus. Es war der perfekte Kontrast: minimale, zerbrechliche Schönheit als Erinnerung daran, dass wahre Meisterschaft keine Lautstärke braucht, um zu bewegen.
Marcos Madrigal und das Lyceum Mozartiano boten kein Konzert, sondern eine Zeremonie. In einer Stadt, in der selbst die Kunst verknappt ist, haben sie bewiesen, dass Exzellenz nicht verhandelbar ist: Sie wird mit Strenge kultiviert und mit Leidenschaft vorgetragen. Saint-Saëns, Rimsky, Rachmaninov und Bach - ein Quartett von Epochen und Stilen - waren nur ein Vorwand, um uns daran zu erinnern, dass Musik, wenn sie sich über das Irdische erhebt, die reinste Sprache des Göttlichen ist. Das Oratorium, Zeuge von Jahrhunderten, empfing dieses Wunder mit seinen ausgehöhlten Gewölben: ein weiterer Abend, an dem Havanna allen Widrigkeiten zum Trotz weiterhin die Hauptstadt des Unmöglichen ist.


